Abstrakte Fotografie
Ab 1970 habe ich, 16-jährig, angefangen, mir die alte Sucherkamera meines Vaters zum Fotografieren auszuleihen. Ich musste die Filme entwickeln lassen und sehr schnell wurde mir klar, dass ich eine eigene Dunkelkammer und jede Menge Theorie bräuchte, wollte ich Ergebnisse nach meinen Vorstellungen erzielen. Der zeitliche und finanzielle Aufwand war mir damals zu groß.
Mit der Digitalisierung plus der Muße eines späten Lebensabschnitts nahm ich 2020 die Fotografie wieder auf und bin jetzt bereit, sie zu präsentieren.
Seit ich denken kann, sehe ich Kunst: die abstrakten Bilder meines Vaters, seiner Kollegen, Ausstellungen und, schon als Kind selbst ausgesucht, Kunstbände zum Anschauen. Durch seine Bilder und später Skulpturen hat sich mein Blick schon früh an Abstraktes und an auf das wesentliche Reduziertes gewöhnt. Ohne dass ich darin etwas konkret - gegenständliches suchen oder zu erkennen glauben muss, genügt mir oft schon ein Farbklang, ein Spannungsverhältnis, eine Bewegung oder eine herausdestillierte Form. Vergleichbar mit Musik, die uns ohne Umweg über den Intellekt bewegen kann. Deshalb sehe ich mein Kapital nicht in Virtuosität oder ausgefeilter Technik (dazu fehlen mir sowohl Routine als auch Ausrüstung), sondern in meinem zeitlebens geschulten Auge. So trägt mein erster Fotoband auch den Titel „Mein Auge“ und meine Bilder bezeichne ich als „abstrakte Fotografie“, weil sie selten gegenständliche Darstellung bezwecken.
Dass ich trotzdem manchmal ganz konkrete Titel für meine Fotos habe, betrachte ich nicht als Widerspruch. Schon als Kind erfand ich ganz stolz spontan Titel für abstrakte Werke meines Vaters und manche davon durften dann auch tatsächlich so heißen. Er hat in Kauf genommen, dass der Betrachter damit einen Interpretationsvorschlag bekommt und ich tu das auch.
Außerdem hat der Humor, hauptsächlich in manchen Titeln, einen festen Platz bei mir (wie sagte schon Dagobert: „was nützen mir meine 13 Trillionen, wenn ich nicht ein bisschen Spaß haben kann“…). Ich muss mich nicht immer furchtbar ernst nehmen im meist allzu bedeutungsschwanger präsentierten Kunstbetrieb.
Meine Fotos entstehen, wenn mich ein Motiv spontan anspricht – es muss etwas in mir auslösen – Betroffenheit, Faszination, Staunen, Wut, Freude. Der Gesamtertrag wird auf die für mich wenigen besten Bilder reduziert. Dann bearbeite ich überwiegend den Ausschnitt. Veränderungen an Farbe, Kontrast und Helligkeit versuche ich, bis auf gewollte Ausnahmen, so einzusetzen, dass sie eher der Verdeutlichung als der Entfremdung oder der Brillanz dienen.
Die Einteilung der Bilder hier ist weder zwingend noch kann sie eindeutig sein, sie soll nur der Übersichtlichkeit für den Betrachter dienen.
Einen Teil meiner Bilder würde ich als dekorativ bezeichnen – gegen geschmackvolle Dekoration finde ich nichts einzuwenden, wenn sie ihren optischen Zweck erfüllt.
Übergreifend gesehen haben meine Bilder bisher fast immer damit zu tun:
„Wie sich die Natur die Dinge zurückholt“
Johannes Frauenknecht
AKTUELLES
Ausstellung im KOHO vom 20.11. – 06.12.2026
Vernissage: Freitag, 20. Nov. 2026, 17 h – 20 h
Ausstellung geöffnet: Sonntag, 22. Nov. 2026, 14 h – 17 h
Künstlergespräch: Mittwoch, 25. Nov. 2026, 19 h – 21 h
Finissage: Sonntag, 6. Dez. 2026, 14 h – 17 h